NVA-Zeit 1977-79

Einige Fotos aus meiner Zeit als Soldat


Von 1. November 1977 bis 25. April 1979 musste ich meinen Grundwehrdienst bei den Grenztruppen der DDR absolvieren. Das war keine schöne Zeit. Sie begann damit, dass man vom Sammelpunkt Niemeyerstraße zusammen mit den anderen Leidensgenossen, bwacht durch Unteroffiziere, zum Hauptbahnhof laufen musste, um dort in einen Zug mit ungenanntem Reiseziel zu steigen. Auf der Fahrt sah dann nochmals die Mötzlicher Straße und ahnte dann das Fahrtziel.
In Halberstadt erfolgte in der sog. "Knochenmühle"zunächst eine 6-monatige Grundausbildung, bei der einem zunächst Denken abgewöhnt und unbedingter Gehorsam eingetrichtert wurde. Wie verachtend seitens der Offiziere dort mit Menschen umgegangen wurde, werde ich wohl nie vergessen. Ich staune noch heute darüber, was man alles auszuhalten in der Lage ist.
Eine Besserung trat erst mit der Versetzung an die Grenze, in meinem Fall die 6. Grenzkompanie in Morsleben, ein. Als Schreiber eingesetzt, musste ich nicht täglich zum Grenzdienst, sondern Arbeiten im Innendienst verrichten. Allerdings gab es da noch die Altgedienten auf unserer Stube, die uns stets und ständig schikanierten. Mit uns meine ich den Koch, den Miltitärkraftfahrer und mich. Bis zur Entlassung dieser sog. EKs musste man sich irgendwie unterordnen - ohne sich zu unterwerfen.
Aber irgendwann waren die EKs weg - wir waren nun zu dritt und hatten eine relativ gute Zeit in Morsleben. Von den Küchenfrauen verwöhnt, den Zivilangestellten geschätzt, hatte ich viele Freiheiten. Täglich von der Poststelle Briefe und Zeitungen für die Kompanie holen. Ich hatte neben einem Motorrad, ein Dienstfahrrad mit Anhänger und konnte mir meine Zeit ein gewissen Grenzen einteilen. Ich war verantwortlich für Bekleidung und Ausrüstung, Wäsche, Schreibarbeiten und Kradmeldertätigkeiten. Regelmäßig trafen sich die Schreiber der einzelnen Grenzkompanien in der Stabskompanie Marienborn zum Diktat von Dienstplänen für den kommenden Monat. Auch Dienstfahrten nach Oschersleben bzw. Magdeburg gehörten gelegentlich zu meinen Tätigkeiten. Für die vorbildliche Führung meiner BA-Kammer erhielt ich sogar einmal eine Auszeichnung, verbunden mit einem Tag Sonderurlaub - den man mir aber später wieder strich.
In der unweit der Kompanie gelegenen Klubgaststätte musste ich bei einer Tanzveranstaltung übrigens auch mal kellnern.
Sehr hart war auch der Jahreswechsel 1978/79 mit Temperaturen von bis -25°C. Bei solchen Anlässen wurde die Grenze besonders gesichert und so musste auch ich in dieser Nacht an den "Zaun" und eine 12-Stunden Schicht im Freien im doppelten Wortsinn über_stehen. In Sicht- und Hörweite feierte man in Helmstedt ausgelassen Silvester...

Fotografieren im Grenzabschnitt war natürlich streng verboten, aber nicht unbedingt im Dorf. Ich habe es gewagt und einen einfachen Plastik-Fotoapparat mit Rollfilm in die Kompanie geschmuggelt, um Erinnerungsfotos für mich anzufertigen. Lange vermisst, habe ich die beiden Rollfilme im Dezember 2021 entdeckt und digitalisiert. Qualitativ zwar schlecht, vermitteln sie zusammen mit meinen Erläuterungen einen Einblick meiner Zeit in der Grenzkompanie Morsleben.


Abschließend noch eine Übersicht der Organisationsstruktur an der Grenze. Zum 25. Grenzregiment OSCHERSLEBEN gehörten
- die Stabs- und Nachrichtenkompanie in OSCHERSLEBEN
- eine Pionierkompanie in BARNEBERG
- eine Sicherungskompanie in MARIENBORN
- die Wachkompanie (Kohle) in HARBKE

sowie das Grenzbataillon MARIENBORN mit den Grenzkompanien
1. GrKp SCHWANEFELD
2. GrKp MORSLEBEN
3. GrKp MARIENBORN
4. GrKp SOMMERSDORF

Das Grenzmuseum Marienborn mit dem damaligen Autobahnübergang und das Grenzmuseum Hötensleben sind seit der Grenzöffnung unverändert erhalten und können, auch im Rahmen von Führungen, besichtigt werden.

http://www.grenzkommando.de/gr-25-bis-1984.html
https://www.wolfgangroehl.de/Grenztruppen-DDR/Grenztruppen.htm