Talradwege in Südtirol (2018)

Liebe Fotofreunde!
2018 sollten es für den alljährlichen Radurlaub wieder die Berge sein. Im Gebirge ist allein schon die Kulisse spektakulär. Aber Fahrrad und Berge assozieren direkt kräftezehrende Anstrengungen. Allderdings nicht, wenn man die "Die Talradwege der Dolomiten" bucht. Diese sind so organisiert, dass man entweder per Shuttle (samt Fahrrad) zu einem höhergelegenen Ausgangspunkt der Tagestour gebracht wird und dann wird überwiegend talwärts zum Hotel zurück geradelt . Oder aber die Tour beginnt gleich am Hotel. In diesem Fall werden die Radler am Nachmittag zu einer vereinbarten Zeit am Endpunkt der Tagestour per Shuttle abgeholt und bequem zum Hotel zurück chauffiert.
Von Toblach im Pustertal ausgehend führten uns auf diese Weise verschiedene Touren durch das wunderschöne Südtirol. Das Tempo konnten wir selbst bestimmen und häufig unsere Fotopausen einlegen, also eine wirkliche Genußreise in vielerlei Hinsicht!

Dank staufreier Anreise konnten wir - sozusagen als Auftakt - eine interessante Zusatz-Exkursion unternehmen. Per Jeep fuhren wir auf einer schmalen, aber sehr kurvenreichen Schotterpiste etwa 6 km hinauf zur Bosi-Hütte auf 2205 m Höhe. Von dort gelangten wir zu Fuß auf das Hochplateau des Monte Piana. Der Anblick dieser unvergleichlichen Kulisse ist aber auch von der Kenntnis geprägt, dass hier im 1. Weltkrieg über 14.000 Soldaten ihr Leben lassen mussten. Der Nordgipfel Monte Piano war von den Österreichern, der südliche Hauptgipfel von den Italienern besetzt und erbittert umgekämpft. Noch heute sieht man die Stellungsanlagen, Schützengräben und Stollen. Was mussten diese Menschen empfunden haben, die sich 1915-1918 in einem aussichtslosen Stellungskrieg teilweise nur wenige Meter gegenüberlagen? Für uns boten sich an diesem ersten Urlaubstag atemberaubende Blicke auf die umliegenden Dolomiten, die wir ja in den kommenden Tagen per Rad etwas näher erkunden wollten…

Die erste offizielle Tagesetappe führte uns nach Cortina d’Ampezzo, dem Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1956. Nach kurzer Ortsbeichtigung folgten wir dem Fahrradweg auf der ehemaligen Dolomitenbahn zum einst höchsten Punkt der Bahn, nach Gemärk/Cimabanche.
Von dort konnten wir uns meist bergab rollen lassen, zunächst zum Dürrensee (Kaffee & Kuchen) und schließlich zum Drei Zinnen Blick. Hier gewannen wir einen ersten Eindruck der Magie dieses Dreigestirns. Am Waldfriedhof für die im 1. WK gefallenen Soldaten machten wir eine weitere Pause. Über die Talsohle und den Toblacher See erreichten wir bei einsetzendem Regen wieder wohlbehalten unser Hotel Hubershof. (35 km)

Am Mittwoch herrschte wieder wunderbares Sommerwetter. Unser freundlicher Shuttlefahrer brachte uns gemeinsam mit dem Kanadier und einem älteren Ehepaar durchs abgelegene Gsieser Tal hoch bis nach Sankt Magdalena. Entlang grüner Wiesen, durch Wälder, über Brücken und vorbei an schönen Bauernhöfen ging es immer nur bergab. Wie schön ist das hier!
Und viel zu schnell waren wir wieder unten im Tal. Es war noch gerade erst Mittag war und das Wetter zu schade für eine zeitige Rückkehr ins Hotel. Wegweiser zum Pragser Wildsee machten uns leichtsinnung und die Entscheidung einfach: 8 km hin (und 8 zurück) zurück sollten wir noch locker schaffen, oder? Es ging dann aber keineswegs so leicht wie am Vormittag weiter. Der Pragser Wildsee ist nämlich ein Bergsee auf 1494 m Höhe. Allmählich dämmerte uns, was 440 Höhenmeter auf dem Fahrrad bedeuten. Es ging immer nur bergan und weiter begauf, teilweise so steil, dass wir (außer natürlich Uwe) vom Rad runter und schieben mussten.
Stunden später kamen wir doch irgendwie noch oben an und konnten hier froh sein, nicht auf einen PKW-Parkplatz angewiesen zu sein. So schön der Pragser Wildsee auch ist, so überlaufen ist das gesamte Areal. Wir sind einmal um den ganzen See gewandert, ehe es nach kurzer Stärkung wieder in Richtung Basislager ging.(52 km - vmax 62 km/h – 462 hm)

Am Donnerstag lautetet das Etappenziel Lienz in Österreich. Zunächst radelten wir zur Drau-Quelle und weiter entlang des sehr gut ausgebauten Drau-Radwegs durch Innichen nach Sillian. In Sillian halfen uns zwei Jungs, die Pichler Schokoladenwelt zu finden. Wir hatten uns die Manufaktur zwar wesentlich größer vorgestellt, doch die Schokolade schmeckte vorzüglich! Die in der Nähe befindliche Loacker Genußwelt (Waffelfabrik) ließen wir dann aber doch links liegen.
Weiter ging es immer entlang der Drau, unser nächster Halt war erst das Vitalpinum in Thal. Hier wurde erst einmal alles beschnuppert, was es an Tinkturen und ätherischen Ölen gab.
Als sich das Wetter eintrübte, beeilten wir uns, um auch noch die Galitzenklamm begehen zu können. Lienz war danach auch nicht mehr weit und wir gönnten uns auf einem hübschen alten Platz einen Verlängerten sowie einen Eisbecher. Wasser wurde übrigens direkt aus dem neben unserem Tisch befindlichen Springbrunnen entnommen und uns gereicht.
Später radelten dann noch durch das verregnete Lienz und ließen uns später am Ufer der Drau nieder und beobachteten das Taring der Kanuten.
Unser Shuttle war schon am Bahnhof und während wir heimwärts fuhren und etwas schläfrig wurden, kam wieder die Sonne heraus und wir konnten einen schönen Regenbogen am Hotel fotografieren. (57 km)

Am nächsten Tag stand Bruneck auf dem Fahrplan. Wir radelten am malerischen Pragser Tal und am gemütlichen Olanger Stausee vorbei, meist entlang der Rienz und talabwärts. Die Etappe war recht hügelig und auch landschaftlich wieder sehr abwechslungsreich. Schön wäre es gewesen, man hätte noch einen Abstecher zu den Erdpyramiden von Paltten bei Percha machen können. Leider gab es darauf keinen Hinweis in unseren Reiseunterlagen, wahrscheinlich wäre der Abstecher einfach zu weit geraten. Wirklich schade.
Unterwegs entdeckten wir unter einer Brücke einen goldfarbenen Turm. Ursprünglich der Pfeiler einer bedeutenden Eisenbahnbrücke , später als Teil eines Kunstprojekts ist er inzwischen fast zugewachsen. Bruneck ist der Hauptort des Pustertales und mit 16000 Einwohnern ein ziemlich quirliger Ort. Am Fuße des Schlossbergs befindet sich die Altstadt, die von der Rienz in einer Schleife im Norden umflossen wird. Vom Waldfriedhof aus hat man einen schönen Blick auf die umliegenden Täler sowie das Schloss Bruneck, welches heute von Reinhold Messner als „Mountain Museum Bergvölker“ genutzt wird. (38 km)

Am letzten Urlaubstag brachte uns der Minibus ins Fischleintal, das "schönste Tal der Welt“, das von Blumenwiesen, dichten Wäldern und urigen Almen umgeben wird. Wir radelten durch das Sextnertal mit Blick auf die majestätischen Dolomiten. Der Weg führte uns weiter nach Innichen und wieder zurück nach Toblach. Eigentlich wollten wir noch die dortige Schaukäserei besuchen, doch darin war es so voll, dass wir Mühe hatten, die Räumlichkeiten wieder zu verlassen. Wie jeden Abend gab es im Hotel ein fantastisches Abendessen. Morgens zum Frühstück stand stets eine Menü-Karte auf dem Tisch der „Herrsch. Dünnebeil“ - jeder konnte sich ein passendes Menü zusammenstellen und dann den ganzen Tag über darauf freuen… (29 km)

Das wunderschöne Sonntags-Wetter am letzten Tag machte uns den Abschied wirklich nicht einfach. Doch diesen Urlaub im Norden Italiens werden wir in besonderer Erinnerung behalten. Und dann haben wir ja noch die Fotos.