Ein Ausflug nach Halberstadt

- Teil 1 -


Zur Vorgeschichte:

GAR-7-Tor

In Halberstadt musste ich von November 1977 an eine 6-monatige Grundausbildung für den Wehrdienst an der innerdeutschen Grenze absolvieren. Hier sieht man das Hauptor mit der Wache. Halberstadt galt als Kochenmühle für angehende "Grenzer".


GAR-7

Rechts im Bild ist der Speiseraum zu sehen, wo max. 1x im Monat für 2-3 Stunden Besuch empfangen werden durfte. Meine Eltern reisten dann jeweils mit Deutschen Reichsbahn nach Halberstadt und fuhren abschließend mit der Straßenbahn bis zur Endhaltestelle und liefen dann noch einen weiten Fußweg außerhalb der Stadt bis zur Kaserne. Ausgang gab es während der gesamten Zeit nicht, Urlaub nur selten...


GAR-7-Flur

So sahen die Flure aus, auf denen man regelmäßig antreten musste. Pro Stube waren 10-12 Mann in Doppelstockbetten untergebracht. Es war eine schwere Zeit, aber ich habe dort viel über menschliche Charaktere erfahren...


Vereidigung Peter Halberstadt

Nur ein einziges Mal in dieser Zeit bekam ich etwas von Halberstadt zu sehen und das war bei der Vereidigung, zu der auch Angehörige kommen durften. I


So viel zu meiner persönlichen Vorbeziehung zu Halberstadt. Nach so langer Zeit wollte ich die Stadt endlich von einer anderen Seite kennenlernen...


Halberstadt

steht etwas im Schatten der nahen Nachbarschaft von Quedlinburg und Wernigerode. Vor dem 2. Weltkrieg hatte Halberstadt eine mindestens ähnlich schöne historische Innenstadt. Halberstadt war einst ein Kleinod und galt Kunsthistorikern als "Rothenburg des Nordens"
Drei Tage vor ihrem Einmarsch zerstörten die Amerikaner am 8. April 1945, einem wolkenlosen Sonntag, etwa 82 Prozent der historischen Innenstadt bei einem Flächenbombardement. Halberstadt war nämlich auch Produktionsort des deutschen Bombers Ju 88, allerdings war das Werk zu jenem Zeitpunkt bereits ohne jede Bedeutung.
In der DDR wurde Halberstadt von 1949-89 nach „sozialistischem Bauverständnis“ wiederaufgebaut, der noch erhaltene Bestand an Fachwerkhäusern in der Altstadt dem Verfall preisgegeben oder großflächig abgerissen.
Dennoch lohnt es sich, die Stadt am Harz zu entdecken: die Klusberge, der Landschaftspark Spiegelsberge, der berühmte Dom mit dem größten Domschatz außerhalb des Vatikans - all dies sind nur einige der lohnenswerten Ziele. Für uns war auch das John-Cage-Projekt von besonderem Interesse. Wo kann man sonst einem Musikstück lauschen, dass 639 Jahre andauert? Zur groben Orientierung: Am 5.2.2024 war der letzte Klangwechsel, der nächste folgt erst am 5.8.2026. Diese 7 Pfeifen c‘ (16‘), des‘(16‘), d‘, dis‘, e‘, ais‘, e‘‘ bilden den Klang 16 - Hast du am 4. September 2640 schon etwas vor? Dann wird der letzte Ton verklingen...

Zum nächsten Besuch in Halberstadt

Weitere Informationen:

virtueller Guide zum Orgelprojekt
Prospektbestellung
Wanderung Klusberge
Sandsteinhöhlen